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Der Abschiedsbrief

Abschiedsbrief

Viele Menschen schreiben einen Abschiedsbrief bevor sie Abschied nehmen. Von was sei mal in den Raum gestellt. Ich war nun in der prekären Situation von meinem Mitbewohner Abschied zu nehmen. Ich gereihte also meine Gefühle und Beweggründe in kurze klare Sätze zu fassen. Ich habe mir lange darüber Gedanken gemacht, was ich da reinschreiben soll. Weil erstmal darf es ja nicht weinerlich klingen! Die Entscheidung das du Abschied nimmst muss seriös wirken, rumheulen erweckt nur den Anschein, dass man zurückgehalten werden will. Ich wollte nicht zurückgehalten werden! Ich musste handeln mich von alle dem hier befreien und endlich meinen Willen durchsetzen. Ich setzte mich über ein Blatt Papier und nahm mir einen Bleistift. Ich wählte den Bleistift weil er neutral wirkt, etwas ehrwürdiges an sich hat und weil er verfügbar war. Ich setzte an. Nein, Stopp, nicht so planlos! Ich brauchte einen Plan wie ich ihm mitteilen konnte was ich wollte. Wie ihm sagen das es unumgänglich ist, wie ihm begreiflichen machen wohin ich gehen würde und wie ihm mitteilen das es zwar Verzweiflung aber auch tiefste Überzeugung ist! Ich beschloss das er aus der reinen Existenz dieses Briefes und der Tat als solchen sicher die volle Tragweite des Geschehens herauslesen würde. Ich wurde mich also kurz fassen, das Wesentliche, nur die kalten Fakten. Wohin. Warum. Ich denke zu sagen ob und wann ich wiederkehren werde, wäre redundant gewesen. Daher lies ich das einfach weg.
Als ich zu einer Endfassung gekommen war, lass ich sie noch ein paar mal durch. Als ich mich überzeugt hatte dass das die Worte waren mit denen ich mich verabschieden würde, stand ich auf. Ich betrat den Flur und ging schweren Herzens auf das Zimmer meines Mitbewohners zu. Er hielt ein Nickerchen und würde erst aufwachen wenn es schon zu spät ist. Ich warf noch einen flüchtigen Blick auf die kurzen Zeilen, die für unbestimmte Zeit das letzte seien werden was er von mir hört.
Ich gab mir einen Ruck und legte den Brief zu Boden. Ich hielt bei dem Versuch ihn unter der Tür durchzuschieben inne. War er bereit dafür? War ich bereit dafür? Wer kann das schon sagen.... Erneut gab ich mir einen Ruck schob den Brief unter der Tür durch und stand auf. Schweren Herzens wandte ich mich von der Tür ab. Hastig Verlies ich die Wohnung.
Der kleine unscheinbare Zettel lag friedlich auf dem Boden des Zimmers. Bereit um nach dem erwachen des Bewohners gefunden zu werden. Auf dem Zettel standen die schlichten Worte: "Bin kurz einkaufen"

9.2.12 19:28

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