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Das Eichhörnchen

Das Eichhörnchen

Ich saß wie so oft mit 2 Freunden in meiner Lieblingskneipe. An der Theke hockten anonyme Konsumenten und versuchten ihren Abend zu finanzieren. Sie klimperten mit Kleingeld und spielten mit der Gier der Barkeeper. Wir bauten Tüte um Tüte und kloppten Skat. Exzessiv. Ich ging grade aufs Klo als ein Baum die Bar betrat. Er setzte sich am anderen Ende des Schankraums zu Klaus an den Tisch. Dieser schien sich über das erscheinen des Baums zu freuen. Ich ging aufs Klo und da alle Pissoirs besetzt waren hockte ich mich in eine Kabine. Ich war grad fertig als etwas hart gegen die Tür der Kabine schlug. Mein erster Gedanke war, dass was auch immer es war hoffentlich die Kabine zerlegt, die sah nämlich echt scheiße aus. Als nächstes registrierte ich das ich ja in der Kabine saß und versuchte nun also die fremde Macht davon abzuhalten das Klo zu plätten bevor ich es verlassen hatte. Ein Annäherungsversuch war von Nöten. Ich öffnete die Tür und konnte grade noch zur Seite hechten. Denn die fremde Macht die versucht hatte meine Kabine zu exterminieren, war doch nur ein besoffener auf der Suche nach einem Ort zum kotzen. Dies tat er auch umgehend, um dann bewusstlos zu Boden zu sinken. Mich fragend was das jetzt wieder sollte, entfernte ich mich vom Ort des Grauens. Im vorbeigehen sah ih noch flüchtig wie der Konsument von der Bar die Taschen eines bewusstlosen durchsuchte. Selbiger machte den Anschein, als wäre er grade auf dem weg zum Licht, am Ende des Tunnels. Ein zucken der Augen und ein Schwall Erbrochenes überzeugten mich aber davon, dass alles in Ordnung war. Beruhigt kehrte ich an meinen Tisch zurück, wo ich grade noch ein paar Züge einer verglimmenden Tüte nehmen durfte.
Klaus und der Baum verließen grade die Kneipe, als sich etwas von dem Baum löste. Es hüpfte vom Baum und sprang auf unseren Tisch. Die Tatsache, dass gerade ein Baum die bar verlassen hatte störte mich nicht. Ich hatte hier schon viel eigenartiges Volk gesehen, aber das was da grade auf unseren Tisch gehüpft war, war eindeutig neu. Es war ein Eichhörnchen. Ich begann mich gerade zu fragen, ob nicht doch irgendwer was in meinen Drink getan hat, als das Eichhörnchen anfing zu reden. Ich überlegte ob es einen Sinn machte zuzuhören wenn das alles eine Drogeninduzierte Halluzination war. Ich entschied mich aber spontan dazu, lieber doch zuzuhören. Wie oft hat man schon die Gelegenheit einem Eichhörnchen zu lauschen, dass dir eine Geschichte erzählen will. Ich fragte mich grade wie es wohl aussehen musste, 3 Kunden die auf ein nicht existentes Eichhörnchen starten und gebannt lauschten, als es schon losbrabbelte.
"Ok Jungs", begann das Tier, "Haltet euch fest und spitzt die Ohren. Also ich war gerade auf meinem Lieblingsbaum und wollte grade zu Abend essen...". Der kleine Kerl erzählte und erzählte, er erzählte so lange, dass ich mich fragte ob die Bar vielleicht extra länger offen hatte damit es seine Story zu Ende erzählen kann. Wir fragten uns die ganze Zeit wann es denn endlich zum Knackpunkt der Geschichte kommen würde, aber es schien einfach keinen zu geben. Wir fingen also gerade an uns zu langweilen und wollten es schon unterbrechen, als es die Stimme erhob und scheinbar doch noch auf den Punkt kommen wollte.
"Plötzlich, schlug etwas gegen meinen Baum, so stark das mein Ast so krass zu wackeln anfing, dass ich runter fiel. Versteht ihr? Ich bin runter gefallen! Von einem Baum, ich! Versteh ihr was das bedeutet? Das ist für mich in etwa so wie wenn eine Gazelle von einem Wildschwein abgehängt wird! Egal, ihr checkt es nicht, hört einfach weiter zu!", wir verstanden es in der Tat nicht, wollten aber nicht das scheinbar ohnehin schon in seinem Stolz verletzte Tier unterbrechen. Also redete es einfach weiter. "Wie ich grade so runter falle, – seid ihr schon mal von einem Baum gefallen? - sehe ich den Boden immer näherkommen, aber kurz vor dem Aufprall passierte etwas sehr eigenartiges.", nun legte das Eichhörnchen eine lange Pause ein. Da platzte dem Kumpel zu meiner rechten der Kragen. Er hatte scheinbar keine Lust mehr auf die Show, die das Eichhorn dort abzog. Er packte eine Flasche und zog, Gott weiß woher, eine Rolle Klebeband hervor. Er tapete das Eichhörnchen an die Flasche und ging zur Tür. Dort holte er weit aus, um es weg zu schleudern. Ich rannte verzweifelte zur Tür, denn eigentlich wollte ich unbedingt wissen wie die Geschichte ausgeht, aber da war es schon zu spät! Trotz der Tatsache das mein Freund ziemlich zu war, war der Wurf absolut akzeptabel. Das Eichhörnchen flog und flog und flog. Um schließlich - einem Kerl direkt an den Schädel zu fliegen. Selbiger Taumelte kurz, stieß einen lauten Schmerzensschrei aus, um dann rücklings zu Boden zu fallen. Wir rannten hin, um uns den angerichteten Schaden aus nächster Nähe ansehen zu können. Der Getroffene blutete stark am Kopf. Das Eichhörnchen hingegen war verschwunden. Bis heute bin ich mir fast sicher, dass ich es am Ende der Straße um die Ecke biegen sah, als ich mich kurz umsah. Zurück zu unserem Freund der am Boden lag und vor sich hin blutete. Wir überlegten was zu tun sein und reagierten schließlich mit dem Rufen des Krankenwagens. Darauf waren wir ziemlich stolz und zündeten uns erstmal ne Tüte an. Als wir dann auf einmal Sirenen hörten bekamen wir Panik und rannten um unser Leben. Nach historisch kurzer Zeit viel uns auf, dass das nur die Sirene des Krankenwagens war den wir selber gerufen hatten. Nach dem sich das laute Gelächter gelegt hatte, beschlossen wir zurück in die Kneipe zu gehen und das Geschehene zu feiern!

Wie so oft im Leben reißt hier meine Erinnerung ab. Nein, nicht etwa die vom eben beschriebenen Abend, sondern die vom Abend darauf. Von diesem Abend hier, wusste ich am nächsten Tag gar nix mehr und habe mir alles vom Barkeeper erzählen lassen. Allerdings tranken wir während er erzählte und am Ende fehlt mir wieder mal das Ende der Geschichte. Nun ja, ich geh jetzt einen heben und frage den Barkeeper einfach mal, was gestern nach diesem Teil der Geschichte so passiert ist und was er noch so erzählt hat.

25.2.12 16:46

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