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Spiel mit dem Feuer

Ich war mit ein paar Kumpels und ein paar Kästen Bier im Park unterwegs. Es war schon dunkel und wir waren ziemlich gut unterwegs, als ich auf einmal das animalische Bedürfnis verspürte, eine Kippe zu rauchen. Ich drehte mir also eine und wollte sie auch direkt anzünden. Da bemerkte ich das ich kein Feuer hatte. Ich wandte mich also an die breite Masse und erkundigte mich nach einem Lumos. Ich ahnte gleich Böses, als eine umgehende Reaktion ausblieb. Hoffnung keimte auf, als dann doch jemand in seiner Tasche kramte, aber erlosch postwendend wieder. Niemand hatte Feuer. Niemand. Eine ganze Gruppe Raucher und niemand hatte Feuer. So eine scheiße. Wir waren mitten im Park, mitten in der Nacht und weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Alles war im Arsch und niemand schien etwas dagegen tun zu können. Denn das bedeutete ja nicht nur, dass ich jetzt keine rauchen konnte, sondern auch, dass wir allgemein nichts mehr rauchen konnten. Wir versuchten uns sporadisch mit einem Bier abzulenken, aber auch das verschaffte nur temporär Linderung. Früher oder später würde wieder jemand nach Feuer fragen und wenn es auch nur versehentlich geschehen würde, würde es uns sofort wieder dran erinnern wie aussichtslos unsere Situation war. Dieser Fakt nagte an jedem von uns und die Angst würde sich immer tiefer in unsere Köpfe fressen. Wir fühlten uns, wie eine Gruppe Neandertaler, die ihre Feuerquelle versiegen ließen. Wir waren am Boden zerstört und waren fest davon überzeugt, der Himmel würde uns auf den Kopf fallen. Unser Rudel wurde langsam nervös, ich war nun nicht mehr der einzige, der hart Bock auf ne Zigarette hatte. Und wie das verlangen aller immer mehr wuchs und unsere Verzweiflung und die Angst vor dem nahenden Untergang, da erschien uns plötzlich der Messias.

Im Nachhinein sind wir wohl eher ihm erschienen, aber egal. Zumindest lag er dort in Latschen, Hemden und Hose und machte einen sehr erleuchteten Eindruck. Anfangs beschwerte er sich darüber das wir ihn geweckt hatten, aber als er Zeit und Raum wieder unterscheiden und wahrnehmen konnte, erkannte er wohl, dass aufstehen eigentlich eine gute Sache war. Er stand auf stellte sich auf eine Bank und hielt uns erst einmal eine Lobarie, wie großartig wir seien und das Gott uns geschickt haben muss.


Seid gelobt ihr Ritter aus dem Abendland

Ich armer habe nach jedem Abend Brand

Ihr hingegen seid reisende Könige

Nicht das ich das leidende beschönige

Nein ihr seid fromm und so, anzusehen

Bei euch braucht man nicht anzustehen

Der Kunde ist König, seid Samariter

Heute Nacht hier, da samma wieder

Ihr die, die geleitet zum Ort der Erleuchtung

Ich der Erwachte am Ort der Befeuchtung

Denn hier ists heute Abend geschehen

Habt mich nicht einfach fragend besehen

Nein habt mich gesehen gerettet geweckt

Und nicht gesehen drauf gewettet und dann geleckt

Seid keine Psychos oder welche die auf Alk welche werden

Steht nicht tatenlos da wenn im Wald Elche sterben

Ihr greift ein, wenn da Gefahr im Verzug ist

Ihr seid einfach ohne Lug und trug der SHIT

 

Wir waren kurz geflasht, von dem was da auf einmal aus ihm rausbrabbelte und konnten diesen Moment leider demnach nicht entsprechend würdigen. Er fragte aber gleich ob er sich uns irgendwie erkenntlich zeigen könne und wie waren uns sofort einig: Feuer. Wie der Zufall es wollte besaß er Streichhölzer. Wir freuten uns wie eine Herde Honigkuchenpferde, aber nur kurz, denn er hatte nur noch eins. Wir konnten also eine Kippe entzünden und das war's. Wir bedankten uns trotzdem und der Auferstandene wankte in Richtung... ach keine Ahnung wo der hin ist. Wir jedenfalls hatten nun eine brennende Kippe, mit der wir erst einmal jedem eine entzündeten. Nun hatte zwar jeder eine brennende Zigarette, aber wir hatten immer noch kein Feuer. Wir entschlossen also kurzer Hand, dass ab jetzt immer mindestens 2 Zigaretten brennen mussten. So sollte garantiert werden, dass unser Feuer nicht erlischt. Das ging eine Stunde lang gut. Dann waren die Kasten leer, wir waren voll und das erhalten des Feuers wurde zu einer verdammt harten Aufgabe.

Alles fing damit an, das einer der amtierenden Fackelhalter seine Kippe ganz cool in eine Pfütze schnippte. Dafür wollte ihn ein anderer sofort umbringen, da das aus seiner Sicht derartig verantwortungslos und sinnlos war, dass man dafür eigentlich vor eine Wand gestellt gehört. Er ging auf ihn los und wollte seinen Kopf ebenfalls in besagter Pfütze versenken. Das erschien allen anderen in dieser Situation ebenfalls als adäquate Strafe. Nur vergaßen wir so, dass wir vielleicht vorher eine neue Zigarette entzünden sollten. Alle waren nur darauf fixiert, dem Schuldigen schnellstmöglich seine gerechte Strafe zukommen zu lassen. So auch der zweite Fackelhalter, welcher sich ebenfalls auf das Zentrum all unseres Zornes stürzte. Dabei viel die Zigarette zu Boden und war kurz davor ausgetrampelt zu werden, von dem wütenden Mob der sich auf den Tölpel eingeschossen hatte. Es sind diese Momente wo wahre Helden geboren werden und so geschah es auch hier, dass sich einer aus der vor Hass geblendeten Masse hervorhob. Er stürzte sich, ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben, auf die Zigarette und nahm direkt ein paar kräftige Züge, um sie am brennen zu halten. Das wurde zunächst nicht wirklich registriert, da wir viel zu beschäftigt damit waren einen Kopf in eine Pfütze zu tauchen. Als wir damit fertig waren, den Unhold zu bestrafen stellte der zweite Fackelhalter völlig entsetzt fest, dass seine Kippe weg war und war kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Da erblickten wir auf einmal, wie im Hintergrund der unbesungene Held stand, an der Zigarette zog und gleichzeitig in einer unklaren Geschwindigkeit weitere Zigaretten drehte. Die keuchende Mob war sprachlos. Nicht bewusst war ihm gewesen, dass in seiner Mitte derartiges Heldentum gedeihen konnte. Der Mann hatte für das Kollektiv sein recht sich an der Bestrafung zu beteiligen aufgegeben. Er hatte nur das Höhere Wohl vor Augen gesehen und sich unter Einsatz seiner angeborenen Rechte, einfach nur die Zigarette vom Boden retten wollen. Wir waren hin und weg und als die Kippen wieder loderten, beschlossen wir und das gilt bis heute, dass dieser Mensch ein Held war! Wir lobten seinen Kampfeswillen, besangen noch Jahre später seine großtaten und beschlossen, dass wir einen Führer gefunden hatten. Jemand der Verantwortung übernehmen und uns in die richtige Richtung lenken konnte. Dieser Abend veränderte viel, vor allem die Mentalität hinter all den Folgenden Gelagen. Von nun an versuchten wir nur noch ihm nachzueifern, ihm Respekt zu zollen und ihm und nur ihm ewiges Freibier zu schwören. Denn dank seiner Heldentat war der Abend gerettet und wir konnten auch weiterhin rauchen. Er war quasi der 2. Messias dem wir an diesem Abend über den Weg liefen. Der erste erschien aus dem Nichts und verschwand wieder dorthin, aber der zweite trat aus unseren eigenen Reihen und wir wollten das er diese nie wieder verlässt!

Und so Endet diese Geschichte und ich hoffe das alle ihre Leere daraus ziehen können. Denn im Leben trifft man immer dort auf einen Helden wo man ihm am wenigsten erwartet! Manchmal lebt er unter uns, unerkannt und taucht einfach dann auf wenn man ihn wirklich braucht. Dieser Abend hat uns alle verändert, aber vor allem glaube ich jenen Menschen, welcher eigentlich seither die minderwertige Bezeichnung Mensch nicht mehr verdient hat. Den, der seine Bestimmung erkannte und seit dem, sein Leben dem Kampf für das Gute verschrieb. Den wir seit jeher nur noch Loki nennen, den Gott des Feuers und nicht weil er das von uns verlangt, sondern weil er es sich einfach nur verdient hat!

27.3.12 23:43

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


timi hendrix (22.6.12 19:18)
sowas schönes! sehr gutes ding lukas. die moral ist auf alles zu übertragen. eine deiner besten, alter!

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